Lissabons Stadtteil Alvalade lädt ein zur Lisbon Week. Foto: Eva Maekler

Alvalade: Das Lissabon der Lisbon Week

André Caldas und Xana Nunes haben die Lisbon Week in den Stadtteil Alvalade geholt. Fotos: Eva Maekler
André Caldas und Xana Nunes verraten auf Lisboa – Soulcity anlässlich der Lisbon Week ihre ganz persönlichen Tipps für den Lissaboner Stadtteil Alvalade. Fotos: Eva Maekler

„Hier trägt Lissabon kein Make-up.“ Und genau das ist es, was den Gastgeber-Stadtteil der derzeitigen Lisbon Week, Alvalade, so besonders macht für die Besucher der Stadt. Sagt einer,  der es wissen muss: André Caldas, Presidente da Junta de Freguesia de Alvalade – sozusagen der Bürgermeister des Stadtteils, der dieses Jahr im Fokus  der Lisbon Week steht. Die Lisbon Week hat zum dritten Mal seit 2012 neue Perspektiven auf und für Lissabon eröffnet – sowohl für die Bewohner der Stadt als auch für ihre Besucher. Auf Lisboa – Soulcity verraten André Caldas und die Gründerin der Lisbon Week, Xana Nunes, was für sie persönlich Alvalade so besonders macht.

Lisbon Week goes Alvalade

Lissabons Stadtteil Alvalade lädt ein zur Lisbon Week. Foto: Eva Maekler
Dank der Lisbon Week gerät der Stadtteil Alvalade in den Fokus. Foto: Eva Maekler

„Warum ausgerechnet Alvalade?“ Diese Frage hört Xana Nunes nicht zum ersten Mal, wenn es darum geht, den diesjährigen Ort der von ihr organisierten und geleiteten Lisbon Week zu erklären. Schließlich gibt es dieses Großevent nur alle ein bis zwei Jahre. Schließlich geht es darum, zu zeigen, welche Schätze Lissabon zu bieten hat. Darum, was diese Stadt so besonders macht. Und den wenigsten Lissabonern würde dabei wohl als erstes Alvalade einfallen.

Lisboa, Avenida Estados Unidos, 100: Das Café Vá-Vá. Foto: Eva Maekler
In Lissabon ein historischer Ort: Das Café Vá-Vá war in den 60er und 70er Jahren Treffpunkt der künstlerischen und intellektuellen Avantgarde der Stadt. Foto: Eva Maekler

Xana Nunes auch nicht unbedingt. Alvalade ist eher etwas für den zweiten Blick – und für den ist die Lisbon Week mittlerweile reif, nachdem in den ersten beiden Veranstaltungs-Jahren mit mehr Touristen bevölkerte Viertel der Stadt im Fokus standen. Jetzt will Xana eine andere Seite ihrer Stadt zeigen: „Wir wollen einen die jüngere Geschichte der Stadt zeigen – den Teil, der in den 40er, 50er und 60er Jahren Avantgarde war. Architektonisch und damit dann auch angesichts der Leute, die es angezogen hat. Mit den berühmten Tertulias (Künstler-Stammtischen, d.Red.) im Café Vá-Vá (Avenida Estados Unidos da América, 100, Metro: grüne Linie, Station Roma), zum Beispiel. Modernes portugiesisches Kino fand zuerst in Alvalade statt …“

Typisch Lissabon? Typisch Alvalade!

Das „echte“ Lissabon: Alvalade. Foto: Eva Maekler

Wenn man André Caldas fragt, weshalb „sein“ Alvalade ein würdiger Gastgeber sei für die Lisbon Week, kommt die Antwort ganz schnell und mit viel Leidenschaft in der Stimme: „Das ist das echte Lissabon. Vor ein paar Tagen erst hat ein Tourist zu mir gesagt, hier in Alvalade habe er zum ersten Mal das Gefühl, echten Lissaboner Alltag zu erleben, bei dem das, was er sieht, nicht für ihn, den Touristen, hingestellt worden sei.“ Und: „Alvalade inzwischen schon historisch der Platz für das moderne Lissabon!“

Lissabons Straßen bieten immer ein Riesenangebot - und in Alvalade auch mit genügend Platz zum Verweilen. Foto: Eva Maekler
Lisboa in groß: Alvalade bietet Platz für alle – mit allem, worauf man gerade Lust haben könnte. Foto: Eva Maekler

Was  ist also anders an Alvalade, dem „echten“ Lissabon – und was findet man hier, was typisch ist für das Lebensgefühl in der ganzen Stadt? Xana Nunes zaubert die Frage sofort ein Lächeln ins Gesicht. „Anders? Hier hat man Platz! Die großen Alleen, mit breiten Straßen und breiten Gehwegen!  Den ganzen Stadtteil kann man sich erlaufen. Und Ruhe und Grün finden. Man erlebt, dass hier ein stimmiges Projekt gebaut wurde. Typisch für ganz Lisboa ist hingegen, dass man in den Straßen alle Läden findet, die man braucht; auch immer noch viele kleine Boutiquen, die es anderswo höchstens noch in Einkaufszentren oder der Innenstadt gibt!“

Der Mercado de Alvalade Norte im gleichnamigen Lissaboner Stadtteil. Foto: Eva Maekler
Lissabons Mercado de Alvalade Norte – Potential als Mittelpunkt eines neuen, alten Avantgarde-Viertels?! Foto: Eva Maekler

Die Alleen von Alvalade fallen auch André sofort ein, wenn es um das „andere“ Lissabon geht. Wunderbar typisch für Lissabon findet er die große Markthalle, den Mercado de Alvalade Norte. Sein Tipp: „Man kann dort fantastischen Fisch kaufen!“

Alvalade: Alte und neue Avantgarde Lissabons?

Überreiches Angebot im Mercado de Alvalade Norte, Lisboa. Foto: Eva Maekler
Lissaboner Markthalle par excellence: Der Mercado de Alvalade Norte. Foto: Eva Maekler

„Der Mercado de Alvalade Norte hat das gleich Potential wie die Markthalle im Campo d’Ourique und der Mercado da Ribeira„, davon ist auch Xana Nunes überzeugt. Beide Markthallen sind inzwischen eher Orte zum Ausgehen, mit großem gastronomischen und auch mit kulturellem Angebot. Als Märkte im klassischen Sinne dienen sie aber kaum noch, dazu sind sie einfach zu teuer. Droht dieses Schicksal auch dem Mercado in Alvalade? „Nein! Wir wollen eine gesunde Mischung aus Gastronomie und klassichem Marktangebot“, versichert André Caldas Lisboa – Soulcity.

Temporäre Kunst in Lissabon: Die
Lisboa, Alvalade, Industriegebiet: Kunst im Aufzug – zu sehen während der „Mostra“ im Rahmen der Lisbon Week, in der Rua João Saraiva, 3. Foto: Eva Maekler

Traut er Alvalade womöglich zu, wieder zur Avantgarde Lissabons zu werden? Und wie: „Dies ist der Moment“, sagt er enthusiastisch, beflügelt von den Reaktionen der Besucher, die den Stadtteil anlässlich der Lisbon Week neu entdecken. „Alvalade wird das neue Zentrum der Stadt sein.“ Der Stadtteil werde wieder jünger: „Nach einer Phase der Abwanderung sind es nun nicht die Kinder der ersten Generation des neuen Alvalade, die zurückkehren, sondern die Enkel.“ Auch die Infrastruktur sorge für Belebung: „Die vielen Universitätseinrichtungen bei uns im Stadtteil bringen natürlich viele Studenten hierher. Mit Lissabons Konzept, die Universitäten zu einem integralen Bestandteil der Stadt zu machen – Stichwort ‘Univercity’, mit  ‘c’ – findet da immer mehr Austausch statt. International, gerade als Erasmus-Stadt …“

Alvalades Industriegebiet mit Kunst-Potential - im Blick der Lisbon Week. Foto: Eva Maekler
„Mehr Potential als LX Factory“ habe Alvalades Industriegebiet in Sachen Kreativ-Avantgarde, sagt André Caldas. Mit einem Blick aus dem Fenster machen sich die Besucher der „Mostra“ während der Lisbon Week schon einmal ihr eigenes Bild. Foto: Eva Maekler

Und künstlerisch? „Hinter der Markthalle gibt es das ehemalige Industriegebiet, mit großen, leerstehenden Lagerhallen. Das wäre ein guter Platz für Ateliers und dergleichen. Das Areal hat mehr Potential als LX Factory! (LX Factory, ein umgewidmetes Industriegebiet bei der berühmten Brücke des 25. April, gilt als einer der „Creative Hubs“ Lissabons, d. Red.) Die Gebäude sind in privater Hand, wir können die Besitzer nicht zwingen, entsprechend zu vermieten. Wünschen würde ich es mir aber. Xana Nunes hat es mit der Lisbon Week ja schon geschafft, dort jetzt viele junge Künstler mit der Gemeinschaftsausstellung Mostra wenigstens temporär nach Alvalade zu locken!“

Lisbon Week: Das empfehlen die Insider

Lisboa hat natürlich auch Schnecken und Muscheln zu bieten, wie hier im Mercado von Alvalade. Foto: Eva Maekler
Auch das ist Lissabon: Schnecken und Muscheln gehören selbstverständlich dazu, im Mercado von Alvalade. Zur Lisbon Week steht aber einmal mehr der Fisch im Mittelpunkt. Foto: Eva Maekler

Die Mostra in der Rua João Saraiva, während der Lisbon Week unter der Woche von 13 bis 20 Uhr und am Wochenende von 12 bis 19 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet, ist nicht nur ein Lisbon Week-Tipp von André Caldas, sondern auch von Xana Nunes. Mit der grünen Metro-Linie erreicht man sie am einfachsten, wenn man an der Station Alvalade aussteigt. Xana empfiehlt außerdem, den Mercado zu besuchen – wenn möglich, am 17. April, wenn die gleichzeitig stattfindende Veranstaltung Peixe em Lisboa Starköche in die Markthalle von Alvalade lockt, um besondere Fischgerichte live vorzukochen. Der Mercado ist ebenfalls von der Metrostation Alvalade aus leicht zu erreichen.

Stadtoase: Der  Campo Grande in Alvalade. Foto: Eva Maekler
Lissabon mit dem Ruderboot – in Alvalade ist das möglich, im Campo Grande. Foto: Eva Maekler

Um die moderne Architektur nicht nur von Alvalade, sondern von vielen Großbauten Lissabons besser kennenzulernen, empfiehlt Xana außerdem den Besuch der Ausstellung in der Biblioteca Nacional de Portugal, Campo Grande, 83. Der Eintritt ist ebenfalls frei, unter der Woche von 9.30 bis 19.30 Uhr und am Sonnabend bis 17.30 Uhr. Die Nationalbibliothek erreicht man leicht mit der gelben Metro-Linie, Bahnhof Entre Campos. Und noch eine Ausstellung liegt sowohl Xana als auch André besonders am Herzen: Die der Urban Sketchers, zu sehen an den Werktagen von 10 bis 19 Uhr im Rektorat der Universidade de Lisboa, Alameda da Universidade, in der Nähe der Metrostation Cidade Universitária der gelben Linie.

Alvalade für Kenner: Tipps aus erster Hand

Pfaue im Hof des Palacio Pimenta, Sitz des Museu da Cidade, Alvalade, Lissabon. Foto: Eva Maekler
Die Pfaue leben im Hof und im Garten des Museu da Cidade, Alvalade, Lisboa. Foto: Eva Maekler

Zum Entspannen empfiehlt Xana Nunes einen Besuch des „Stadtparks“ Campo Grande, zu erreichen mit der gelben Metro-Linie von Entre Campos und der Station Campo Grande aus. Hier, am nördlichen Ende, hält auch die grüne Linie auf ihrem Weg nach Telheiras. Das Stadtmuseum, Museu da Cidade, ist hier im wunderschönen Pálacio Pimenta, Campo Grande, 245, zuhause und zeigt  die Entwicklung der Stadt, von den ersten Siedlungen um 500.000 vor Christus bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts.

Esplanada da Mata, Parque de Alvalade, Lisboa. Foto: Eva Maekler
Die besten und größten Toasts Lissabons – im schönsten Park von Alvalade: Esplanada da Mata, der Tipp von André Caldas für einen entspannten Nachmittag. Foto: Eva Maekler

Xana empfiehlt nicht nur den Besuch des Museums, sondern auch des dahinter liegenden Gartens. Wie André Caldas: „Der Palácio mit seinem Garten und den darin lebenden Pfauen war für mich schon immer ein Ort, an dem ich meine Batterien auflade!“ Sein Tipp für einen entspannten Tag in Alvalade:  „Ein Spaziergang von hier aus den Campo Grande hinunter, dann die Avenida da Igreja entlang bis zur Avenida Rio de Janeiro, dort am Mercado entlang und dann rüber zum Wald.“ („Mata“; offizieller Name: Parque José Gomes Ferreira oder einfach: Parque de Alvalade, d.Red.) Und zum Abschluss: „Einen Toast am Quiosque der Esplanada da Mata„. Womit André Caldas schließlich noch einen der besten Geheimtipps Lissabons verrät.

em

Advertisements

4 Kommentare zu “Alvalade: Das Lissabon der Lisbon Week”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s