Raus aus Lissabon: Praia da Rocha / Portimão

Portimãos Strand Praia da Rocha zu Füßen: So präsentiert sich der Atlantik von der Festung Santa Catarina aus. Foto: Eva Mäkler
Lissabons Stadtrummel ist hier ganz weit weg: Von Portimãos Festung Santa Catarina aus scheint der Atlantik endlos zu sein. Foto: Eva Maekler

Frühlingsanfang und Osterferien – für Lisboa bedeutet das den ersten Massenansturm des Jahres auf die Stadt. Wer das schon einmal miterlebt hat, kann bestens all die Lisboetas verstehen, die zur Flucht ansetzen, auf den ersten längeren Ausflug des Jahres. Lisboa – Soulcity schließt sich ihnen an, um so immer mal wieder Tipps für Stadtfluchten zu geben, wie sie eher selten in Reiseführern zu finden sind. Den Anfang macht zu Ostern Portimão, das Zentrum des „echten Lebens“ im sonst so touristischen Algarve.

Portimão: Nicht nur Praia da Rocha

Portimãos Strand ist die berühmte Praia da Rocha. Foto: Eva Mäkler
Portimãos Praia da Rocha sollte man besuchen, bevor der große Touristenstrom im Sommer kommt. Dann wird man mit Momenten wie diesem belohnt. Foto: Eva Maekler

Die Strände rund um Lisboa sind natürlich immer eine Alternative zum lauten Stadtleben. Aber wenn man auch mal ganz andere Ecken von Portugal sehen will, bieten sich die Traumstrände des Algarve natürlich als erstes an. Schließlich gehören sie ganz offiziell zu den schönsten Europas. Und um diese Jahreszeit hat man immerhin noch Chancen, eine der unzähligen Ferienwohnungen zum kleineren Preis zu bekommen, insbesondere an der Praia da Rocha und den umliegenden Stränden bei Portimão. Schließlich quillt die ansonsten wunderschöne Atlantikküste hier geradezu über von Apartmenthotels, deren Architektur leider erst in allerneuester Zeit versucht, die Schönheit der Strände selbst nicht allzu sehr zu stören.

Den Atlantik zu Füßen, von der Praia dos trés irmãos bis zur Praia da Rocha: Das erfrischt nicht nur die Beine, sondern kässt auch die Gedanken fliegen. Foto: Eva Maekler
Portimãos entspannte Seite: Mit den Füßen im Wasser, von der Praia dos trés irmãos bis zur Praia da Rocha. Foto: Eva Maekler

Ein langer Strandspaziergang, etwa von der Praia dos tres irmãos bis zum Ende der Praia da Rocha tut der Seele unendlich gut, und das kühle Atlantikwasser erfrischt den ganzen Körper.

Portimãos Vergangenheit am Haken: Vor dem Museu de Portimão. Foto: Eva Maekler
Portimãos Vergangenheit bildet den Rahmen: Die Fische hingen hier in der Zona ribeirinha körbeweise am Haken. Foto: Eva Maekler

Man muss aber nur etwa zwei Kilometer weiter spazieren, immer an der Marina und dem angrenzenden Hafen entlang, um dem portugiesischen Alltag näherzukommen. Der Fluss Arade bestimmt hier die Ansiedlung der Infrastruktur. Früher und heute – mit unterschiedlichen Konsequenzen. Heute reihen sich entlang der Zona ribeirinha Stände von Bootstour-Anbietern. Im 20. Jahrhundert hingegen bedeutete der Fluss vor allem  Aufstieg und Fall von 22 Fischkonservenfabriken.

Portimãos Zona ribeirinha:
Das wahre Leben – museumsreif

Das Museu de Portimão macht die harte Arbeitswelt seiner früheren Konservenfabriken lebendig. Foto: Eva Maekler
Portimãos Konservenfabriken im 20. Jahrhundert: Ein Leben im unerbittlichen Takt der Stechuhr. Foto: Eva Maekler

Eine dieser Fabriken, Feu Hermanos, hat quasi überlebt. Als Museum. Und zwar als Preis-gekröntes – zu Recht. 2010 ehrte der Europarat es mit seinem jährlich vergebenen Preis. 2011 dann war das Museu de Portimão das erste, dass von Kollegen einen ganz besonderen Preis zugesprochen bekam: Die DASA Arbeitswelt Ausstellung hat das Museu als ersten Preisträger überhaupt für seinen DASA Award auserkoren. Die Dortmunder Museumsprofis in Sachen Darstellung der Arbeitswelt zeigten damit ihre Begeisterung darüber, wie in Portimão mit Originalgeräten, an einem beeindruckenden Originalschauplatz, nicht nur die Arbeits-, sondern die gesamten Lebensbedingungen rund um diese Industrie erlebbar gemacht werden.

Das Museu de Portimão: Das echte Leben in der Fabrik, in einer Ausstellung, die gleichzeitig hyperrealistisch und von ganz eigener Poesie ist. Foto: Eva Maekler
Portimão live – im Museum: Das Sirenengeheul, das Geratter und Geklapper … alles ist noch da, hier in der Konservenfabrik Feu Hermanos aus dem 20. Jahrhundert. Foto: Eva Maekler

Nichts ist hier museal. Dafür sehr real. Das aufwendige Arrangement der Ausstellung Território e Identidade arbeitet mit lebensgroßen Gipsfiguren, die nicht den gesamten Raum beherrschen müssen, um präsent zu sein, sondern Platz lassen. Für die ganzen Lebensgeschichten und Momente, die das Gesamtkunstwerk im Kopf des Betrachters erscheinen lässt. Das funktioniert übrigens bei Kindern genauso gut – das Museum ist auch für sie die ideale Abwechslung zum Strand.

Das Museu de Portimão zeigt auch, dass die Geschichte der Menschen hier 5000 Jahre zurückreicht. Foto: Eva Maekler
Portimãos Museum ist eine ehemalige Konservenfabrik, und dieses Thema bildet den Schwerpunkt. Eingebunden ist die Ausstellung aber in einem Kontext, der Zeugen aus 5000 Jahre Leben in dieser Region eine Bühne gibt. Foto: Eva Maekler

Die Ausstellung, die das Leben in und mit der Konserven-Fabrik beschreibt, bildet das Herzstück des Museums. Eingebunden ist sie in einen sehr viel weiter reichenden Kontext: 5000 Jahre Leben in dieser Region, immer rund um den Fluss Arade und den Atlantik. Leben und Sterben, Kulte und Alltagspraktiken: Unterschiedlichste Aspekte ergeben zusammen eine Idee davon, wie Menschen hier im Laufe von Jahrtausenden gelebt haben.

Das Museu de Portimão – Mehr als Information: Inspiration

Portimãos bekanntester Sohn: Manuel Teixeira Gomes. Foto: Eva Maekler
Portimãos Museum präsentiert den berühmtesten Sohn der Stadt: Manuel Teixeira Gomes war der siebte Präsident Portugals. Foto: Eva Maekler

Ein Eck ganz für sich allein hat ein Kind dieser Stadt, das ein Leben als Reisender und Schriftsteller geführt hat. Und zwei Jahre lang Präsident Portugals war, von Oktober 1923 bis Dezember 1925: Manuel Teixeira Gomes. Portimãos Stadtmuseum ist natürlich ein guter Ort, um sich mit dieser ungewöhnlichen Lebensgeschichte vertraut zu machen. Und es sagt viel über die dieses Land und seine Situation in den Zwanziger Jahren aus, dass es diesen Mann zu seinem Präsidenten erkoren hat.

Portimão entdeckt die Praia da Rocha - in einer Ausstellung im Museu de Portimão. Foto: Eva Maekler
Der Weg an Portimãos Praia da Rocha war früher kein leichter – das zeigt die Ausstellung „O despertar do Algarve“, „das Erwachen des Algarve“, im Museu de Portimão. Foto: Eva Maekler

Außer den genannten Dauer-Ausstellungen gibt es im zweiten und dritten Stock des Museu de Portimão immer mal wieder neue Ausstellungen zu sehen. Wer an der Praia da Rocha seine Ferienunterkunft hat, wird sich zurzeit besonders für den ersten Stock interessieren: O despertar do Algarve, Das Erwachen des Algarve zeigt, wie Portimão 1915 den Traumstrand überhaupt erst als mögliches Touristenziel ins Visier genommen hat – das aber systematisch, mit einem programatischen Manifest, das zu großen Teilen noch in heutigen Hochglanzbroschüren aufgenommen würde. Es ist wirklich unglaublich, was in 100 Jahren aus diesem abgelegenen und wahnsinnig unbequem zu erreichenden Stück Land geworden ist …

Das Museu de Portimão zeigt die prämierten Ergebnisse der 15. "Corrida Fotográfica de Portimão" - wie die Bilder von Nuno F. da Assunçao Oliveira. Foto: Eva Maekler
Portimão, ganz persönlich: Zurzeit zeigt das Museu de Portimão die Gewinner des 15. Foto-Marathons der Stadt. Hier die Bilder des Gewinners der Kategorie Digital, Nuno F. da Assunçao Oliveira. Foto: Eva Maekler

„Touristisch“ interessant ist auch das, was gerade der dritte Stock zu bieten hat: Den Blick auf Details, die beim Nur-so-durchlaufen verloren gehen. Schade drum; ein Besuch der Ausstellung der Siegerbilder des 15. Foto-Marathons der Stadt, der Corrida Fotográfica de Portimão, schärft den Blick wieder, inspiriert und macht Lust auf eigene Entdeckertouren – wenn es wieder raus geht aus dem Museum …

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Museu de Portimão - Info. Copyright: Eva Maekler

Copyright: Eva Maekler

 

Mehr über das Museu de Portimão (auf dessen Website, auf englisch): www.museudeportimao.pt/en/

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