Von Lissabon aus knappe 50 Kilometer suedlich: Der Leuchtturm am Cabo Espichel. Foto: Eva Maekler

Raus aus Lissabon: Cabo Espichel

Wahrzeichen Lissabons: Die Bruecke des 25. April. Foto: Eva Maekler
Lissabons Bruecke „Ponte 25 de Abril“ führt ueber den Tejo zur Halbinsel von Setúbal. Foto: Eva Maekler

Festivals. Museen. Bareröffnungen. Fashion-Events. Konzerte. Street-Performances. Straßenbahnen mit ganz viel Menschen. Miradouros, Aussichtspunkte, mit noch mehr Menschen. Manchmal wird es zuviel … dann hilft eine Fahrt über die Brücke des 25. April. Dort lockt die Endlos-Strandzone der Costa da Caparica, klar. Und danach? Terra incognita für viele Lisboetas, erst recht für Lissabon-Besucher. Zu Unrecht. Lisboa-Soulcity zeigt, warum.

Lissabons Brücke zum Süden

Kontrast zu Lissabon: Das Cabo Espichel liegt verlassen da. Foto: Eva Maekler
Lissabon ist ganz weit weg: Das Cabo Espichel ist ein bisschen „das Ende der Welt“. Foto: Eva Maekler

Sagenumwoben und scheinbar vergessen ist es, das südwestliche Ende der Halbinsel Setúbals, die auf der anderen Seite der Brücke des 25. April liegt. Wenn man erstmal dort ist, fegen einem Wind und Weite von Land und Atlantik den Kopf frei. Vorher laden unzählige Strände zu Endlos-Spaziergängen und in-die-Wellen-werfen ein – leicht zugänglich an der Costa da Caparica, weiter südlich für Menschen mit Entdeckerehrgeiz, festem Schuhwerk und Offroad-Material.

Die Praia da Foz ist in die sagenhafte Landschaft rund um das Cabo Espichel eingebettet. Foto: Eva Maekler
Die Praia da Foz ist, etwa acht Kilometer vom Cabo Espichel gelegen, nicht gerade ein Lissaboner „Hausstrand“ – lohnt aber mit ihrer Kombination aus Stein- und Sandstrand auf jeden Fall einen Abstecher. Foto: Eva Maekler

Einfacher ist es, spätestens nach der Costa da Caparica der Nationalstraße N378 zu folgen, immer Richtung Sesimbra. Dadurch kreuzt man im Süden der Halbinsel die Nationalstraße N379. Wechselt man auf die N379 Richtung Westen, fährt man nicht in  die Stadt Sesimbra rein, sondern  quasi direkt bis zum Cabo Espichel.

Cabo Espichel: Das magische Kap

Das Cabo Espichel: Natur pur, nur eine Autostunde von Lissabon. Foto: Eva Maekler
Lissaboner Tagesausflug: Das Cabo Espichel markiert den suedwestlichsten Punkt der Halbinsel von Setúbal. Foto: Eva Maekler

Der südwestlichste Punkt der Halbinsel von Setúbal ist der ideale Ort, um bei sich selbst anzukommen. In dieser ruhigen, aber nicht stillen Weite hilft der Atlantik dem Wind, den Kopf freizupusten. Die Natur erobert sich den Raum, den ihr Menschen vor über 600 Jahren abgetrotzt haben, bereits zurück: Der weitläufige Komplex um die Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Cabo ist ein historisches Heiligtum, ein Santuário – und scheint zu großen Teilen dem Verfall preisgegeben.

Nossa Senhora do Cabo: Die Kirche wacht seit dem fruehen 18. Jahrhundert ueber das Cabo Espichel. Foto: Eva Maekler
Nossa Senhora do Cabo: Die 1701 bis 1707 erbaute Kirche am Cabo Espichel ist innen noch voller Pracht, doch die zwischen 1715 und 1760 angefügten Herbergsräume für Pilger sind anscheinend bereits dem Verfall anheim gestellt. Foto: Eva Maekler

Was mit dem gesamten Komplex inklusive der Kapelle Ermida da Memória aus dem späten 15. Jahrhundert, ist noch unklar. Solange sich die Stadt Sesimbra, die Kirche und der Staat (das „Heiligtum“ gehört Staat und Kirche)  nicht einig sind über ein gemeinsames Vorgehen und die Verteilung von Verantwortung und finanzieller Last, passiert nichts und der Verfall schreitet weiter voran.

Reise ins Hier und Jetzt –
und 145 Millionen Jahre zurück

Farol do Cabo Espichel: "Faísca" freut sich ueber jeden freundlichen Besucher. Foto: Eva Maekler
Farol do Cabo Espichel: Der Leuchtturm wird von „Faísca“ bewacht – einen freundlicheren Waerter als diesen Hund kann man sich kaum vorstellen. Mittwochs von 14 bis 17 Uhr kann man den Farol auch von innen besichtigen. Foto: Eva Maekler

Der jetzige Zustand der Anlage verstärkt das Gefühl, am Ende der Welt zu sein – und sorgt für die Abwesenheit von Touristenrummel. Laut sind hier nur der Wind und das Meer. Alles ist hier intensiv, das Licht, die Gerüche, der Geschmack. Zum Farol, dem Leuchtturm, läuft man über hügelige Wiesen an der Steilküste entlang und muss auf seine Schritte achten. Die Sinne haben gut zu tun hier. Eine Reise ins Hier und Jetzt, wie man sie sich eigentlich wöchentlich verschreiben sollte. Umgeben übrigens von Spuren einer 145 Millionen Jahre alten Vergangenheit: Die Trails dunkler, relativ regelmäßiger ovaler Einbuchtungen, die man an den Steilkliffen sieht, sind Dinosaurier-Spuren. Sauropoden und Theropoden haben sich hier bereits aufgehalten – und sie haben sich an den steilen Aufstiegen hinkend fortbewegt. Auch diese Erkenntnis konnten Archäologen bei genauerer Untersuchung der Abdrücke gewinnen.

Cabo Espichel, Pedra da Mua: Hier haben Sauropoden und Theopoden vor rund 145 Millionen Jahren ihre Spuren hinterlassen. Foto: Eva Maekler
Cabo Espichel: „Pedra da Mua“ ist hier der Name für die Dinosaurierspuren. Foto: Eva Maekler

Die Spuren, hier als Pedra da Mua bekannt, waren bereits Stoff für die Legende von der Kap-Heiligen, die hier zwei alten Männern in Traum erschienen sein soll – wobei die Abdrücke ihrem weißen Maultier zugeschrieben wurden. Diese Legende aus dem Jahr 1410 wird in der weißen Kapelle Ermida da Memória mit Azulejos illustriert, den für Portugal so typischen, kunstvoll gestalteten Fliesen.

Cabo Espichel, Santuário: Die im 18. Jahrhundert geschaffenen "hospedarias" fuer die Pilger zur Nossa Senhora do Cabo. Foto: Eva Maekler
Cabo Espichel, Santuário: Fuer die Pilger zur Nossa Senhora do Cabo gab es ab dem 18. Jahrhundert die „Hospedarias“, die ihnen Unterkunft boten. Foto: Eva Maekler

Weitere Dinosaurier-Spuren lassen sich übrigens gut von der etwas weniger leicht zugänglichen Praia dos Lagosteiros aus sehen. Dagegen sind die Ruinen der Pilger-Infrastruktur,  die im Laufe des 18. Jahrhunderts mit eigens für sie geschaffenen Unterkünften, den Hospedarias, Wasserhaus, Aquädukt und Opernhaus entstand, geradezu neuen Datums. Zumindest für das Wasserhaus gibt es bereits Sanierungspläne der dafür zuständigen Stadt Sesimbra – doch zunächst einmal werden die ehemaligen Pilgergärten wiederhergestellt und ein barriefreies Wegenetz zur Verfügung gestellt. Was danach mit dem eigentlichen Santuário geschieht, ist noch offen. Die Menschen hier warnen bereits vor einer Verkommerzialisierung mit Läden, die billige Andenken made in China anbieten. Hoffentlich warnen sie erfolgreich. Es gibt schon zu wenige Orte, die uns unsere Sinne, unsere Energie und die der Natur so intensiv erleben lassen.

em

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