In Lissabons Alfama ist ein Besuch im Parreirinha do Paraíso fuer Helena Reis schon eine Tradition , besonders nach einen Besuch bei der Feira da Ladra . Foto: Eva Maekler

Das Lissabon von Helena Reis, H.Reis.Capulana: Rund um die Alfama

Lissabons Alfama ist ihr "Arbeitszuhause": Helena Reis im Eingang von H.Reis.Capulana. Foto: Eva Maekler
Lissabons Alfama, mittendrin: Helena Reis im Eingang zu ihrem Atelier. Foto: Eva Maekler

Gute 350 Kilometer sind es von Marco de Canaveses, einem kleinen Städtchen auf der Höhe Portos, bis ins Herz Lisboas, die Alfama. Eine Drei-Stunden-Fahrt mit dem Auto. Oder auch ein paar Jahre, etliche kleine Umwege mit eingerechnet. Über Mosambik, zum Beispiel, um dort ein halbes Jahr als Lehrerin zu arbeiten. Eine Erfahrung, die Spuren hinterlaesst. Gefühle, Gerüche, Geräusche und Farben.

Lissabons Alfama ist die kreative Heimat von Helena Reis und Maria José. Foto: Eva Maekler
Kreative Heimat Alfama: Helena Reis (links) teilt sich Laden und Atelier im Herzen Lissabons mit Maria José. Foto: Eva Maekler

Wenigstens letztere kann man mitnehmen, zum Auf-der-Haut-tragen: Capulanas, farbenfrohe Tücher, die in Mosambik einfach um den Körper gewunden werden, zum Beispiel als Rock. Und wenn man dazu die Energie einer Helena Reis aus Marco de Canaveses hat, geht man damit nach Lissabon und macht die Stadt noch etwas multikultureller und kreativer. Damit jeder, der Lisboa besucht, nicht nur ein Stück Portugal mit nach Hause nehmen kann, sondern gleichzeitig mosambikanische Lebensfreude auf der Haut trägt. Für Lisboa-Soulcity geht die junge Designerin raus aus ihrem Atelier, in ihre persönliche Tag-für-Tag-Alfama, abseits aller Touristen-Tascas und Fado-Lokale. Und zeigt uns, wo in Lissabon afrikanische Up-to-date-Kultur am spannendsten zu erleben ist.

Alfama, abseits von Touristen-Tascas und Fado-Lokalen

Lisboa, Alfama, Rua do Vigário, 70: Helena in der Gelateria Típica. Foto: Eva Maekler
Lisboa, Alfama, Tag fuer Tag: Helena mag die kleinen Snacks, das frische Bier, den Café – und die Atmosphaere in der Gelateria Típica, Rua do Vigário, 70. Foto: Eva Maekler

Für ihre Kombination aus Laden und Atelier hat Helena einen Ort gefunden, der perfekt zu ihr passt: Multi-kulturell, voller Leben und im Herzen Lissabons gelegen. In der Rua do Vigário 36 ist sie mittendrin in der Alfama, hat aber trotzdem noch ein gesundes Stück Alltag um sich rum, droht nicht unterzugehen zwischen Souvenirshops supplied by China und Touristen-Restaurants mit großen Fotos auf ihren Speisekarten.

"Typisch Lissabon, typisch Alfama ..." In der Gelataria Típica haengen auch einige Bilder eines benachbarten Kuenstlers: Hauke Vagt hat ein Atelier in der Rua do Salvador 49. Foto: Eva Maekler
„Typisch Alfama“? Wenn schon Klischee, dann mit Humor – wie auf den Bildern von Hauke Vagt, die in der Gelataria Típica an der Wand haengen. Foto: Eva Maekler

Stattdessen hat sie ihre täglichen kleinen Oasen, nur wenige Schritte entfernt. Die Gelataria Tipica, zum Beispiel, die seit 18 Jahren bis spät in die Nacht geöffnet hat. „Ich komme oft nicht nur auf einen Café vorbei – meine Tipps hier sind die Rissois (gefüllte Pasteten) und Bifanas (entsprechen etwa den deutschen Schnitzelbrötchen). Und das Bier schmeckt hier auch sehr gut“, erzählt sie. Seit 18 Jahren kümmert sich Paulo mit seinem Team um die Gäste. Und kommt nie aus der Mode: Abends und nachts, bis zwei Uhr, wird sein Publikum immer jünger und die Gelataria Tipica immer mehr zur Bar. Hier ist nicht aufgesetzt oder künstlich. Eher schon Kunst: Der „Nachbar“ Hauke Vagt hat ganz in der Nähe sein Atelier 49 – und einige Bilder hier geben einen  kleinen Ausschnitt dessen wieder, was dort entsteht.

Lissabon, echt und ungekünstelt

Lissabon, Alfama, Rua do Vigário. Foto: Eva Maekler
Alfama, nicht nur für Touristen … das gibt es noch. Wenn auch selten. Die Rua do Vigário ist ein Beispiel dafür. Foto: Eva Maekler

Dass in der Rua do Vigário, der „Stellvertreter-Straße“, der Tourismus dass normale Leben der Einheimischen noch nicht verdrängt hat wie in so großen Teilen der Alfama, ist umso überraschender, als sie von einer Hauptachse des Stadtteils abzweigt, der Rua dos Remédios, der „Arzneistraße“. Helenas Weg führt oft hinunter zur Rua dos Remédios, die auf die „Paradiesstraße“ führt, die Rua do Paraíso. Der passende Straßenname für Helenas nächste Alltagsoase, das Restaurant Parreirinha do Paraíso, übersetzt das „paradiesische Weinläubchen“.

In Lissabons Alfama ist das Parreirinha do Paraíso fuer Helena Reis schon zu einem Stammlokal geworden. Foto: Eva Maekler
Lissabon, Rua do Paraíso: Helena Reis vor ihrem Stammrestaurant in der Alfama, dem Parreirinha do Paraíso. Foto: Eva Maekler

„Hier habe ich mich sofort wohlgefühlt. Die Wirte kommen aus Nordportugal, wie ich. Die Leute aus dem Norden sind warme Menschen, die immer alles für andere geben. Wir verstehen einander sofort. Und das Essen hier ist durch die Bank gut, jedes einzelne Gericht. Ich liebe die hausgemachten Feijoadas (Bohneneintöpfe) hier, den Bacalhau (Stockfisch), die Sobremesas (Desserts) und den Wein. Und alles zu guten Preisen, meistens unter zehn Euro.“ José Domingos, der seit 23 Jahren mit dem Parreirinha do Paraíso jeden Tag von 7 bis 22 Uhr die Gäste bewirtet, muss lächeln, als er Helena schwärmen hört: „Ich sage immer: ‚Zahlen Sie nur, wenn Sie wollen!‘ Bisher wollte noch jeder.“

Feira da Ladra: Inspirationen beim „Markt der Diebin“

Lissabon, Feira da Ladra: Helena Reis laesst sich hier gerne inspirieren. Foto: Eva Maekler
Die Feira da Ladra ist der groesste und beruehmteste Flohmarkt Lissabons, jeden Dienstag und Samstag. Fuer Helena Reis bedeutet das entspannte Bummeln ueber den Markt auch Inspiration. Foto: Eva Maekler

„Ich bin hier gerne samstags, nach der Feira da Ladra“, erzählt Helena beim Hinausgehen, über das Pfeifen eines Scherenschleifers hinweg, der auf diese Weise auf seinen auch in Lisboa rar gewordenen Service hinweist – und uns quasi den Weg weist, hinauf zum berühmten Flohmarkt. „Besonders mein Freund kauft hier viele Sachen, aus denen er Neues macht, zum Beispiel Stühle. Bei uns zu Hause ist schon alles voll“, berichtet sie lachend. Teilweise verkauft sie die neuen Stücke aus alten Sachen auch in ihrem Laden, etwa die beiden Stühle auf dem ersten Foto. „Ich selbst bummle hier einfach gerne durch. Generell laufe ich gerne, um kreativ sein zu können. Und dann gehe ich hoch zum Quiosque Clara Clara, trinke einen Kaffee, sammle meine Ideen, inspiriere mich auch im Internet …“

Mitten in Lissabon und mit Ausblick ueber den Tejo: Helena Reisam Quiosque Clara Clara im Jardim Botto Marchado. Foto: Eva Maekler
Auf Lissabons Feira da Ladra die Insel im Trubel, auch fuer Helena Reis: Der Quiosque Clara Clara im Jardim Botto Marchado. Foto: Eva Maekler

Eine Insel, um für einen Moment einfach auszusteigen aus dem ganzen Trubel, fasst Helena zusammen, was er für sie bedeutet, der sympathische Quiosque mit dieser privilegierten Lage im Jardim Botto Marchado. Der kleine Park thront mitten auf dem Campo Santa Clara über allem und bietet einen Ausblick bis zum gegenüberliegenden Ufer des hier acht Kilometer breiten Tejo.

Afrika in Lisboa

Lisboa, zwischen Graça und Alfama: Casa Mocambo, Rua do Vale de Santo António, 122A. Foto: Eva Maekler
In Lisboa zwischen Graça und Alfama gelegen: Die Casa Mocambo. Helena Reis orgnisiert hier auch selbst Veranstaltungen. Foto: Eva Maekler

Ausatmen und die Gedanken schweifen lassen – dazu ist dies ein guter Ort. Und Helena erzählt, welche Umwege sie schließlich endlich nach Lisboa geführt haben. Dass die Mode, die sie macht, für Lisboetas gar nicht so „exotisch“ ist, weil hier die Farben Afrikas längst dazugehören. Und wie Helena über ihre Mode hinaus Afrika nach Lissabon trägt. Zum Beispiel in der Casa Mocambo, in der sie nicht nur mit einer Ausstellung präsent ist, sondern zum Beispiel Tertúlias, veranstaltet, quasi „literarische Zirkel“.

Lisboa, Graça, auf der Grenze zur Alfama, in der Rua do Vale de Santo António, 122A: Casa Mocambo. Copyright: Helena Reis
Lissabons geballte Portion Afrika ist hier zuhause: Casa Mocambo, in Graça, auf der Grenze zur Alfama gelegen. Copyright: Helena Reis

Obwohl die Casa Mocambo erst im März eröffnet hat, ist sie schon dabei, sich zu dem kulturellen und kulinarischen Treffpunkt zu entwickeln, wenn es um Lissabons afrikanische Tradition geht. Nichts Geringeres war auch von Anfang an das Ziel –immerhin beruft sich das Restaurant / die Galerie / das „Poetodrom“ … kurz: der Veranstaltungsort auf das ehemalige Lissaboner Viertel Mocambo, das als afrikanischtes aller bairros, Stadtviertel, bekannt war. Heute heißt der Stadtteil Madragoa – und hat sich viel Afrikanisches bewahrt.

Lissabon, afrikanisch: Das ist die Casa Mocambo in der Rua do Vale de Santo António, 122A. Copyright: Helena Reis
Lissabons kulturellen Reichtum erahnen: Das geht nicht nur mit afrikanischem Essen in der Casa Mocambo, sondern auch über Konzerte, Feste, Ausstellungen, Lesungen und noch viel mehr afrikanisch-portugiesischer Kultur. Copyright: Helena Reis

Die Casa Mocambo besteht aus Fragmenten ehemaliger Häuser aus diesem alten bairro Mocambo, das schon im 19. Jahrhundert für seine afrikanischen Feste berühmt war. Seit ihrer Eröffnung wird die Casa Mocambo ihrem Anspruch gerecht, diese Tradition ins heutige Lisboa zu übertragen, in dem weder Afrikaner noch Europäer unter sich bleiben. Wer Lissabon besser verstehen will, sollte unbedingt hier in der Rua do Vale de Santo António, 122A, vorbeischauen. Mindestens für ein afrikanisches Essen, etwa einem Bohnen- oder Fischeintopf,  vielleicht etwas mit afrikanisch zubereitetem Reis oder Süßkartoffeln – und fantastischem Gemüse, dass es dank Afrika auch in Lissabon zu kaufen gibt. Umso besser, wenn es an dem Abend eine Veranstaltung, etwa ein Konzert oder ein Fest mit DJ gibt. So bekommt man einen Eindruck vom multi- und interkulturellen Reichtum Lisboas, den man nicht mehr vergessen wird. Wie Helena.

em

 

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2 Kommentare zu “Das Lissabon von Helena Reis, H.Reis.Capulana: Rund um die Alfama”

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