Lisboa, Praça do Município: Francisca und Rita vor dem "Wonderroom"-Zelt der Moda Lisboa 2016. Foto: Eva Maekler

Herbst in Lissabon: Lisboa ist in „Moda“

Lisboa, Praça do Município: Rita (links) und Francisca im Eingang des Rathauses, der Câmara Municipal de Lisboa. Foto: Eva Maekler
Moda Lisboa, 2016: Rita (links) und Francisca posieren auf der Praça do Município fuer Lisboa-Soulcity, am Eingang der Câmara Municipal de Lisboa. Auch das Rathaus hat naemlich seine Tueren weit geoeffnet fuer die Moda Lisboa. Foto: Eva Maekler

Herbst in Lissabon – nur langsam merkt man es dem Wetter an, dass die Sommer-Monate offiziell vorbei sind. Herbstlaub-Rascheln hört man kaum. Ein Event aber hat der Stadt  zum Saisonwechsel neue Farben-Freude geschenkt: Die Moda Lisboa, die Lissaboner Fashion Week. Und nachdem man sich jetzt so langsam auch in Lisboa wieder in etwas mehr Kleidung hüllen kann, ohne Hitzeschocks zu erleiden, hat Lisboa-Soulcity sich zur Moda Lisboa mit zwei Lissabonerinnen getroffen, die zwei Dinge besonders gut wissen: Zum einen, wie man mit Mode immer ein Stück Portugal auf der Haut tragen kann. Und zum anderen, wie und wo man mit einem studentischen Budget in Lissabon Mode vom Laufsteg auf die Straße übersetzt …

Lissaboner Fashion Week: Moda Lisboa

Moda Lisboa 2016: Der „Wonder Room“ ist ein Zelt fuer neue Designer auf der Praça do Municipio. Foto: Eva Maekler

Die Lisboa Fashion Week, Moda Lisboa, feiert Geburtstag. Tatsächlich gibt es jetzt seit genau 25 Jahren zweimal pro Jahr auch in Lissabon eine Fashion Week. Portugiesische Designer haben hier jetzt ihre Kollektionen für Frühjahr und Sommer 2017 vorgestellt. Stellt sich die Frage, ob es in einem globalisierten Mode-Markt überhaupt noch so etwas wie portugiesische Mode gibt …

Lissabon, Praça do Município waehrend der Moda Lisboa 2016: Rita traegt ein Ausstellungsstueck der jungen portugiesischen Modemarke „THE N. 55“. Francisca (rechts) zeigt, was fuer sie daran „typisch portugiesisch“ ist – zum Beispiel die Aufmerksamkeit auch fuer das kleinste Detail. Foto: Eva Maekler

Zwei, die es wissen müssen, sind Francisca und Rita. Beide studieren an der Escola de Moda de Lisboa. Und die Antwort kommt prompt: „Ja.“ „Zum Beispiel legen wir sehr viel Wert auf kleine Details“, sagt Francisca bei einem Bummel mit Lisboa-Soulcity durch das Wonder Room-Zelt auf der Praça do Município. Hier können junge Designer, sozusagen Start-ups in Sachen Mode und Design, ihre Stücke präsentieren und verkaufen. Am Stand von THE N. 55 finden sie gleich ein Beispiel für ihre These: Details wie kleine Applikationen, farbige Paspeln und kunstvoll gestaltetes Innenfutter zeigen, wie sorgsam und liebevoll jedes Stück als eigenes Kunstwerk behandelt wird.

Moda Lisboa 2016 … Es ist heiss in Lissabon. Rita, diesmal in einer Jacke von „THE N. 55“, und Francisca inszenieren das mit Rampenlicht-Talent. Foto: Eva Maekler

„Ich finde, unsere Mode ist immer speziell. Wenn wir einen Trend aufgreifen, machen wir unsere eigenen Sachen daraus. Zum Beispiel das Thema Asymmetrie – damit arbeiten auch andere schon lange, aber wir machen ganz andere Sachen damit! Und auch in den Farben sind wir freier,“ sinniert Francisca beim Durchstöbern des Angebots im Wonder Room-Zelt.

Lissabon auf stylisch: Anjos gehört dazu

In Lissabons Regueirão dos Anjos, 70, ist die unahaengige junge Szene zuhause. Foto: Eva Maekler
Lissabon, Regueirão dos Anjos, 70: Alternative, unabhaengige Designer haben ihren passenden Ort gefunden: Die Feira das Almas. Foto: Eva Maekler

Der Wonder Room und die gesamte Moda Lisboa sind Events für Inspiration und zum Träumen für die beiden Mode-Studentinnen – doch dem Budget ihres Alltags entsprechen eher Zara, H&M und Co. „Ja, da kaufe ich auch ein“, sagt Francisca. Es scheint ihr wenig auszumachen. Sie weiß, wo sie sich speziellere Stücke kaufen kann, mit denen sie ihre Basics kombiniert. So hat sie keine Probleme, ihren eigenen Look zu kreieren. Zwei ihrer Lieblingsadressen gibt sie für Lisboa-Soulcity preis:

In Lisboas Baixa und auf der Avenida Almirante Reis zu finden: Franciscas Tipp fuer originelle portugiesische Mode aus allen Epochen – und gleichzeitig gemuetliches Café: „A outra face da Lua“, „die andere Seite des Mondes“. Foto: Eva Maekler

„Ich mag den Vintage-Laden A outra face da Lua, da kann man auch gemütlich im Café sitzen. Inzwischen gibt es ihn schon zweimal in Lisboa: In der Baixa, genauer gesagt in der Rua da Assunção, und in der Avenida Almirante Reis, Nummer 94. Außerdem gehe ich gerne auf die Feira das Almas, die einmal im Monat in Anjos stattfindet.“ Anjos ist ein angesagter Stadtteil nördlich der Innenstadt, Baixa, und von dort entweder zu Fuß oder mit der grünen Metro-Linie Richtung Telheiras zu erreichen – die Metrostation heißt auch Anjos und führt auf die Avenida Almirante Reis. Der neuere Laden von A outra face da lua lässt sich von hier aus mit wenigen Schritten erreichen, ebenso die Feira das Almas, die in der kleinen Nebenstraße Regueirão dos Anjos, 70 stattfindet – im Dezember ausnahmsweise sogar an zwei Wochenenden, am 3. und 4. sowie am 17. und 18. Junge, alternative, unabhängige Designer lieben diese Veranstaltung mit viel Flair und Live-Djs, das Publikum muss sich teilweise durch die Gänge quetschen. Aber es lohnt sich, und die Atmosphäre bleibt immer entspannt und herzlich.

Portugals Mode: Trends aus Geschichte

Moda Lisboa 2016: Francisca entdeckt das Geheimnis von Ritas Bioco. Foto: Eva Maekler
Moda Lisboa 2016: Die Stuecke von „Bioco Tradition“ erzaehlen immer ihre eigene Geschichte. Foto: Eva Maekler

Wieder zurück im Wonder Room -Zelt der Moda Lisboa, ergänzt Rita zum Thema Typisch portugiesisch:  „Mode aus Portugal benutzt fast immer auch landestypische Elemente. Das ist wie bei der Calcada Portuguesa (den kunstvoll weiß-schwarz gepflasterten Gehwegen, d. Red.): Man erkennt gleich, das ist von uns.“ Ein kurzer Rundum-Blick, und es zieht sie zum Stand von Bioco Tradition.

Die Moda Lisboa 2016 mit einem Stueck Algarve: „Bioco Tradition“ wandelt ein historisches Kleidungsstueck in ein modernes Stueck Kunst – indem es seine eigene Geschichte erzaehlt. Foto: Eva Maekler

Die Capes, Biocos, sind tatsächlich ur-portugiesische Kunstwerke. Algarvianische, genauer gesagt. Und sie erzählen ihre eigene Geschichte – manchmal versteckt unter dem Kragen, manchmal über den ganzen Bioco hinweg. Das lange Cape mit Kapuze war  nämlich 1892 vom Statthalter Faros verboten worden – schließlich konnte man so gut verhüllt gut seine Identität verbergen und womöglich außereheliche Tête-à-Têtes pflegen und dergleichen … Im  21. Jahrhundert hat sich nun Lurdes Silva, eine Dozentin aus Porto, bei einem Museumsbesuch in den Bioco und seine Geschichte verliebt. So sehr, dass sie ihn wiederbelebt hat. Für Frauen, die ihn ganz bestimmt nicht nutzen, um sich damit zu verstecken. Doch die Geschichte des Bioco, die tragen sie immer dabei. Das Cape erzählt nämlich seine Geschichte selbst. Auf Portugiesisch und auf Englisch. Und das schaut so schön aus, dass nicht nur Rita und Francisca es am liebsten gleich mitnehmen würden. Aber solange ihr Budget nach Alternativen verlangt, wissen sie ja, wo sie hingehen können in Lissabon …

em

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