Lissabon, Juni 2017: Festas de Lisboa. Copyright: EGEAC / Câmara Municipal de Lisboa

Endlich wieder Juni in Lissabon: Festas de Lisboa 2017!

Festas de Lisboa: Ueberall in der Stadt wehen die Fahnen mit den symbolischen Sardinen. Foto: Eva Maekler
Festas de Lisboa: Die Sardinen werden von den Lisboetas in einem Wettbewerb jedes Mal selbst gestaltet und sind dieses Jahr wieder andere – heissgeliebte Tradition. Foto: Eva Maekler

Es ist wieder soweit: Festas de Lisboa! Einen Monat feiert Lissabon sich selbst, den Sommer, die Lebenslust – und die Stadtheiligen. Von letzteren ist der heilige Antonius, Santo António, der Superstar hier. Besonders in der Nacht vor dem Jahrestag seines Todes (13. Juni 1231). Da er der Schutzpatron Lisboas ist, ist der 13. Juni in der Stadt ein offizieller Feiertag. Die Nacht davor ist quasi endlos; sie beginnt schon am späten Nachmittag, auf der Avenida da Liberdade – mit dem Wettbewerb um den Platz mit der besten Aussicht auf die marchas populares. Diese Tradition und mehr Informationen zu den Festas de Lisboa hat Lisboa-Soulcity schon in diesem Artikel erklärt. Diesmal geht speziell darum, beim wie immer umfangreichen Programm 2017 den Durchblick zu bekommen – und gerade die speziellsten Angebote nicht zu verpassen.

Lisboas Arraiais: Mehr als
Sardinen, Sangria und Sommer-Laune

Lissabon längste Sommernacht: Die Marchas populares verwandeln die gesamte Avenida da Liberdade in einen Musik- und Farbenrausch. Foto: Eva Maekler
Bei Lisboas Marchas Populares am 12. Juni geht es um die schönsten Kostüme, Gesänge und Choreografien. Foto: Eva Maekler

Das Herz der Festas de Lisboa sind die arraiais, die Stadtteil-Feste der einzelnen bairros. Es gibt im Juni keine Nacht, in der nicht irgendwo in Lissabon gefeiert wird. Mit Sardinen, Sangria und Sommer-Laune. Am besten ist es, sich einfach treiben zu lassen und der Musik, dem Lachen und dem Grillduft zu folgen. Je kleiner der arraial, desto größer die Chance, nicht nur auf trinkfreudige Touristen zu treffen, die das Oktoberfest mit der gleichen Begeisterung bevölkern würden.  Stattdessen ein Gefühl dafür zu bekommen, was das Lebensgefühl und das Miteinander in dieser Stadt eigentlich ausmacht.

Die Arraias der Alfama sollen musikalisch wieder ganz portugiesisch werden - so wie es urspruenglich war auf den Juni-Festen der Bairros Lissabons Foto: Eva Maekler
Lissabons Alfama will zumindest musikalisch ihre Arraias zu den typischten in ganz Lissabon machen. Foto: Eva Maekler

Zwei auf ganz gegensätzliche Weise besondere arraias sind die der Alfama und des Stadtteils Alvalade.  Die Alfama, der älteste Teil Lisboas, hat immer noch ihren ganz eigenständigen, heimeligen Charme. Sie fürchtet aber, da fast nur noch von Touristen im Ferienwohnungen bewohnt, mittlerweile um die eigene Identität.

Lissabon: Traditioneller arraial waehrend der Festas de Lisboa. Foto: Eva Maekler
Lissabons arraias – so schauen sie traditionell aus. Und wieder ein wenig traditioneller geht es dieses Jahr zumindest musikalisch in der Alfama zu. Foto: Eva Maekler

Daher – und um sicherzustellen, dass die Ruhestörungen nicht jedes Mal die ganze Nacht dauern – hat jetzt die Junta de Freguesia de Santa Maria Maior eine eigenwillige Entscheidung getroffen – das ist die Stadtteil-Verwaltung des Bezirks, zu dem die Alfama gehört. Für die Musik sorgt die Junta de Freguesia nämlich diesmal selbst. Das bedeutet, sie ist auf den arraias der Alfama nun ausschließlich traditionell und portugiesisch. Diese Entscheidung mag bizarr wirken und von einigen als diktatorisch kategorisiert werden – aber vielleicht sorgt sie ja tatsächlich für echteres Festas de Lisboa-Gefühl und weniger Oktoberfest.

Alvalade, Juni 2017: Die Festas de Lisboa bringen auch in den modernistischen Stadtteil einen Arraial. Copyright: Junta de Freguesia de Alvalade
Festas de Lisboa in Alvalade: Dieser Arraial lockt auch Besucher aus anderen Stadtteilen Lissabons an. Copyright: Junta de Freguesia de Alvalade

Das Kontrastprogramm, musikalisch und auch vom Charakter des Stadtteils, kann man 10 Abende lang im modernistischen bairro Alvalade erleben, vom 9. bis 18. Juni. Alvalade ist ein  metropolischer Gegenentwurf zum historischen Teil Lisboas, der ältesten Stadt Europas – und hat damit bereits einen eigenen historischen Wert. Besonders in den 40er bis 60er Jahren wurde Alvalade von architektonischer und kultureller Avantgarde geprägt, und mit seinen für große Teile Lissabons so untypischen breiten Alleen ist es auch heute eines der begehrtesten und teuersten Wohnviertel. Lisboa-Soulcity hat es hier ausführlich vorgestellt, mit Hilfe berufener Kenner, darunter dem Stadtteilbürgermeister, André Caldas, Presidente da Junta de Freguesia de Alvalade. Der arraial im Parque de Jogos 1.º de Maio (Eingang von der Rua Silva e Albuquerque aus, zu erreichen mit der grünen Metro-Linie. linha verde, Station Roma) kommt ohne Touristen-Folklore aus und bietet auch musikalisch Einblicke in das aktuelle Portugal. Am 9. Juni geht es um 21.30 Uhr funkig los mit der in Lissabon für ihren Groove sehr geschätzten Cais do Sodré Funk Connection. Danach sind die einzigen Abende ohne Musik (stattdessen mit Sport-Programm) der 10., 13. und 18. Juni. Apropos aktuelle portugiesische Musikszene: Jeden Juni-Sonntagnachmittag wird es chillig im großem Park von Alvalade, dem Campo Grande. Jeweils ab 17 Uhr gibt es zunächst Live- und dann DJ-Musik, im Rahmen des Outjazz-Festivals, das sich im Juni in die Festas de Lisboa integriert.

Lissabon – mitten in Südamerika …

Lissabons Castelo: Traumhaftes Ambiente, einmalige Aussicht - und manchmal auch ganz besondere Musikerlebnisse. Foto: Eva Maekler
Lissabons Castelo bietet das ideale Ambiente fuer das Zusammentreffen von Fado mit Flamenco, mit Tango oder auch mit dem brasilianischen Chorinho. Foto: Eva Maekler

Einige Programm-Schmankerl haben die Festas de Lisboa 2017 dem diesjährigen Staus Lissabons als Ibero-amerikanische Kulturhauptstadt zu verdanken. Wer das Glück hat, am 8., 9. oder 10. Juni in der Stadt zu sein, sollte sich den Abend unbedingt für eine der wahrscheinlich schönsten Erinnerungen dieser Lissabon-Reise reservieren: Ab 22 Uhr trifft dann das musikalische portugiesische Kulturerbe, Fado, für jeweils eine Nacht auf Flamenco, den brasilianischen Chorinho und schließlich auf Tango. Das Ganze in der einmaligen Kulisse des Gartens des Castelo de São Jorge, von wo aus man auf die Stadt hinunterblickt. Die Musiker des Abends gehören bei diesem Event immer zu den besten ihres Genres. Unvergessliche Endrücke garantiert.

Mitten in Lissabon: Pfau im malerischen Jardim do Palácio Pimenta. Foto: Eva Maekler
Lisboa, Jardim do Palácio Pimenta: Der idyllische Ort verwandelt sich vom 15. bis 18. Juni in verschiedene Teile Suedafrikas; keine Angst, die Pfaue hier sind schon einiges gewohnt, und es scheint ihnen zu gefallen … Foto: Eva Maekler

Ähnlich interessant und speziell wird es vom 15. bis 18. Juni im Garten des zum Museu de Lisboa gehörenden Palácio Pimenta (gleich bei der Station Campo Grande der grünen Metro-Linie, linha verde – also auch in Alvalade beheimatet). Soy loco por Ti, America, heißt es dann dort – was nicht nur einen Song von Caetano Veloso aus dem Jahr 1968 zitiert, sondern hier für eine literarische, musikalische und gastronomische Verwandlung des Jardim do Palácio de Pimenta in jeweils ein anderes Stück Südamerika steht: Ein Land steht jeweils ab 19 Uhr im Fokus, vor allen Dingen literarisch und mit musikalischer Begleitung, ein anderes ab 22 Uhr, mit einem großen Konzert. Auch hier ist die Liste der Interpreten vom Feinsten, und die idyllische Kulisse des Gartens, mitsamt seinen freundlichen Gastgebern, den hier lebenden Pfauen, darf man sowieso nicht verpassen während des Besuchs in Lissabon.

Festas de Lisboa, Festas do Lumiar: Das Konzertprogramm. Copyright: Junta de Freguesia do Lumiar
Festas de Lisboa, Festas do Lumiar: Konzerte gibt es im Juni auch abseits der Touristenpfade. Copyright: Junta de Freguesia do Lumiar

Eine Entdeckungs-Reise durch Lissabon, seine traditionellen und seine alltäglichen Seiten, das können die Festas de Lisboa im besten Fall so ganz nebenbei sein. Ein weiteres Beispiel dafür sind integrierte Stadtteil-Highlights wie die Festas do Lumiar. Außer den obligatorischen arraias haben sie auch Konzerte zu bieten, bei denen man Portugal musikalisch besser kennenlernen kann als viele Portugal-Fans und „Experten“. Das Spektrum reicht dabei von sehr Rockigem wie Linda Martini am 17. Juni bis zu traditionellem und auch neuem Fado, wie Cristina Branco am 25. Juni. Dabei mitten unter den portugiesischen Fans zu stehen, ist ein intensives Erlebnis – auch ohne Sprachkenntnisse. Lumiar lässt sich mit der gelben Metro-Linie, linha amarela, erreichen. Es ist ein Stadtteil von alten Landgütern wie von neuen Sozialwohnungen – Lisboa-Soulcity hat hier den Stadtteil zusammen mit dem in Lumiar lebenden Hip-Hopper Estraca ausführlich vorgestellt.

Baila comigo, Lisboa: Am 1. Juli um 22 Uhr ist das Hery der Stadt drei Stunden lang der wohl schoesnte Open-Air-Tanzsaal der Welt. Copyright: José Frade / EGEAC
Baila comigo, Lisboa: Der letzte Abend der Festas der Lisboa 2017 ist eine, in jeder Hinsicht, riesige Aufforderung zum Tanz. Unter anderem mit den Gipsy Kings … Copyright: José Frade / EGEAC

Das letzte Konzert der Festas de Lisboa 2017, das es auf keinen Fall zu verpassen gibt, wird aber eine riesige Party im Herzen der Stadt, auf der Praça do Comércio, direkt am Tejo gelegen. Am 1. Juli wird es ab 22 Uhr wieder südamerikanisch – und zwar mit den Gipsy Kings und Los Van Van, einer der populärsten Bands Kubas. Aber nicht nur: Das dreistündige Spektakel ist eine riesige Einladung zum Tanz, mit DJ, VJ, Tanzschulen … Lisboa at it’s best!

Das gesamte Programm, auf portugiesisch und englisch, gibt’s hier als PDF.

em

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