Lissabons musikalische DNA: Fado. Copyright: Junta de Freguesia Santa Maria Maior

Lissabons Sommermusik: Fado im Freien

Lissabon mit Fado entdecken - das bieten die Visitas Cantadas, wie hier mit dem Fadista Jaime Dias in der Mouraria. Copyright: Museu do Fado
Lissabons historische Stadtteile Alfama, Mouraria und Castelo bereiten die Bühne für die kostenlosen Visitas Cantadas, wie hier mit dem Fadista Jaime Dias sowie, an den Gitarren, António Parreira und Guilherme Carvalhais, in der Mouraria. Copyright: Museu do Fado

Lissabons Sommer ruft tagsüber an den Strand und nachts in die Straßen der Stadt. Irgendwas wird immer gerade gefeiert hier, irgendwo  läuft garantiert gerade ein Film im Open-Air-Kino  – und jede Menge Live-Musik liefert den ganz individuellen Erinnerungs-Soundtrack an Lissabon, je nachdem, wann man gerade wo durch die Stadt streift. Die beste Chance, dabei nicht den Hauptbestandteil Lisboas musikalischer DNA zu verpassen, liefern die Visitas Cantadas. Das sind kostenlose Stadtteil-Rundgänge und Fado-Open-Air-Konzerte zugleich, an den Sommer-Wochenenden bis Ende August. Lisboa-Soulcity verrät die Details …

Lissabons Klischee und Wirklichkeit

Lisboa, Castelo: Der Jardim do Recolhimento. Foto: Eva Maekler
Mitten in Lissabon: Noch gibt es Plaetze, die nicht durchgentrifiziert sind – wie den sogenannten Jardim do Recolhimento. Die Visitas Cantadas im Viertel Castelo beginnen hier. Foto: Eva Maekler

Damit kann es keine kommerzielle Stadtführung aufnehmen – selbst, wenn man kein Portugiesisch spricht: Fadistas, Fado-Sängerinnen und -Sänger, führen musikalisch durch die Mouraria, durch das Viertel des Castelo und durch die Alfama. Jeden Freitag, Samstag und Sonntag abend im Sommer, bis Ende August. Der Anfang ist immer um 18.30 Uhr – wo genau, hängt davon ab, durch welchen Stadtteil es geht.

Nur in Lissabon: Fado live in der Strassenbahn. Foto: Eva Maekler
Fado und Lissabon, das gehoert untrennbar zusammen. Begleitet wird der Gesang von speziellen Gitarren, der Portugiesischen und der Fado-Gitarre. Foto: Eva Maekler

In der Alfama ist der Treffpunkt die Rua dos Corvos, bei der unverfehlbaren Treppe. In der Mouraria geht es jeweils am Largo de São Cristóvão los, und im Viertel des Castelo trifft man sich auf dem Platz des Jardim do Recolhimento, der so etwas wie ein wilder Miradouro ist, ein Aussichtspunkt. Bei jeder Visita Cantada, jeder gesungenen Besichtigungstour, wird der oder die Fadista von Portugiesischer Gitarre (Sérgio Costa / Sandro Costa) und Fado-Gitarre (Ivan Cardoso und Tó Neto) begleitet. Authentischer, sinnlicher, eindringlicher lassen sich diese Stadt und ihre traditionellen Viertel nicht erkunden; perfekter ließe sich das erste Rendezvous mit Lissabon nicht inszenieren.

Mouraria, Alfama und Castelo laden ein

Lissabon, Mouraria, Escadinhas de São Cristóvão. Hommage an den Fado von Nuno Saraiva. Foto: Eva Maekler
Fado – in Lissabons Mouraria omnipraesent. Hier mit dem Wandbild von Nuno Saraiva bei den Escadinhas de São Cristóvão. Foto: Eva Maekler

Die Mouraria, den Geburtsort des Fado, kann man noch am 28. Juli auf diese Weise erleben, sowie im August am 6., 11., 19. und 27. Dieser letzte August-Termin wird ein besonderes Highlight: Auf dem Programm steht eine Desgarrada, improvisierter Zwiegesang, mit Diogo Rocha und Vitor Miranda. Der Treffpunkt, der Largo de São Cristóvão, ist nicht nur ideal, weil er im Herzen der Mouraria liegt. Von hier führt eine große Treppenanlage, die Escandinhas de São Cristóvão, direkt runter in die Baixa, die Innenstadt. Und bietet dabei eine besondere Attraktion: Ein Wandbild, das mit viel Liebe und Humor eine Hommage an heutige und frühere Fadistas der Stadt ist. Es trägt die unverwechselbare Handschrift des Illustrators Nuno Saraiva, der in Lissabon mit seiner Kunst omnipräsent ist. Bei den Visitas Cantadas wird dieses Bild auf besondere Weise lebendig werden.

Lissabon, Alfama, Escadinhas de Santo Estêvão. Foto: Eva Maekler
Lissabons Alfama bedeutet ein staendiges Auf und Ab, mit engen Gassen und ausladenden Treppenanlagen. Oft bieten sich dannvon oben schoene Aussichten – wie bei der Kirche Santo Estêvão. Foto: Eva Maekler

Die Fado-Spaziergänge durch die Alfama beginnen jeweils bei der Treppenanlage der Rua dos Corvos, der Straße der Raben. Typisch für ganz Lissabon, aber besonders für das Auf und Ab der Alfama, beginnen und enden Straßen hier oft mit Treppen –was auch viele schöne Aussichtspunkte bedeutet. Wie zum Beispiel bei der Kirche Santo Estêvão, ganz in der Nähe der Rua dos Corvos, auch über eine ausladende Treppenanlage zu erreichen. Die Visitas Cantadas laden zur Eroberung der Alfama mit Fado noch am 29. Juli ein, sowie im August am 4., 12., 20, und 25. Der letzte August-Termin bietet wieder einen Desgarrada-Auftritt, mit Pedro Galveias und Cristiano de Sousa. Übrigens ist die Alfama nicht zufällig auch die Heimat des Haupt-Organisators dieser Spaziergänge, des Fado-Museums (Museu do Fado)– und unzähliger Fado-Lokale.

Lissabons Castelo ist Namensgeber fuer ein ganyes Viertel. Foto: Eva Maekler
Lissabons Burg, das Castelo, gibt dem gesamten Viertel drumherum seinen Namen. Die Visitas Cantadas zeigen, dass es noch mehr zu bieten hat. Foto: Eva Maekler

Das Viertel Castelo hat seinen Namen der Burg zu verdanken, die hoch über der Baixa über das Treiben in „downtown“ Lissabon wacht. Dass es aber mehr als seine eigentliche Hauptattraktion zu bieten hat, das zeigt schon der Treffpunkt der Visitas Cantadas, der urban-urwüchsige Miradouro des sogenannten Jardim do Recolhimento – ein Ort, der vielen ohne die Fado-Führungen sicher verborgen bliebe. Die nächsten Termine sind am 30. Juli, sowie im August am 5., 13., 18. und 26. – wiederum am letzten Datum dieses Jahres mit Desgarrada, improvisiertem Zwiegesang, mit Jaime Dias und Fernando Jorge.

Man muss nicht die Sprache verstehen, um nach den Visitas Cantadas Lissabon, sein Lebensgefühl und auch den Fado besser zu verstehen. Und die Saudade. Die wird man allerdings nie wieder los …

 

em

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